Treffen die Umfragen zu, gewinnen FDP und SVP mindestens sechs Sitze

Laut Umfragen und der Tagi-Wahlbörse werden SVP und FDP bei den Wahlen deutlich zulegen. Treffen die Tendenzen zu, liegen für SVP und FDP laut einer Wahlsimulation sechs Sitzgewinne ohne Weiteres drin. Allerdings gehen die Gewinne nicht alleine auf Kosten der Linken.

Für die einen ist es ein Gräuel, für die anderen mehr als willkommen: Der erwartete Rechtsrutsch im Nationalrat. Schaut man die Umfragewerte (SRG/20Minuten) der SVP und FDP an sowie deren Marktwert in der Wahlbörse des “Tages-Anzeiger”, besteht kein Zweifel am Rechtsrutsch. Dreieinhalb Wochen vor dem Wahltag liegen SVP und FDP mit Gewinnen von ein bis zwei Prozentpunkten vorne.

Verluste muss demnach aber nicht nur die Linke (vor allem die Grünen) hinnehmen, sondern auch BDP, GLP und CVP. Wie stark nach rechts der Nationalrat schwenken könnte, ist allein mit den Wähleranteilen schwer abzuschätzen. Welche Partei wie viele Sitze erreichen wird, darüber sagen die Wähleranteile nämlich noch nichts aus, da dafür sind die Resultate in den Kantonen und die Listenverbindungen der Parteien ausschlaggebend sind.

Simulieren lässt sich die Sitzverteilung mit den Umfragewerten aber mit einer Anpassung des Modells, mit dem restmandat.ch eine Sitzprognose berechnet hat – wenn auch nur näherungsweise und mit einer gewissen Unsicherheit (zur Methodik siehe hier).

Die Sitzverteilung im Nationalrat würde demnach folgendermassen aussehen:

Sitzprognose_PollsNdMarkets

Die Simulation berücksichtigt die 20 Kantone mit mehr als einem Sitz. Es fehlen: UR, OW, NW, GL, AI, AR

Auf sechs Sitze beziffert die Simulation die wahrscheinlichsten Gewinne für die Rechtsparteien. Dabei würde die FDP vier und die SVP zwei Sitze zulegen, obschon beide mit ähnlich gleich grossem Wählerzuwachs (1,6-1,8 Prozentpunkte) rechnen können – die FDP hat aber offenbar geschickter taktiert bei den Listenverbindungen.

Auf der Verliererseite stehen Grüne (-4), Grünliberale (-3), CVP, SP (beide -2) und BDP (-1), während diverse kleinere Parteien ebenfalls mit Sitzzuwachs rechnen dürften. (Die Chancen der Kleinparteien werden im Modell allerdings aus methodischen Gründen teilweise überschätzt).

Schwäche des Partners

Interessant ist, dass die SP bei den Sitzen Verluste hinnehmen müsste, obwohl ihr Umfragen und Wahlbörse einen höheren Wähleranteil als 2011 zutrauen (+0,4; siehe unten). Der Grund dafür liegt in der Schwäche der Grünen (-1), die fast flächendeckend in Listenverbindungen mit der SP in die Wahlen gehen. Sie ziehen ihre Partner mit in den Abgrund.

Bewahrheiten sich die Schätzungen, wäre die Stärkung der Rechten Tatsache. Allerdings gingen die Gewinne nicht alleine auf Kosten der Linken, was den erwarteten Rechtsrutsch relativiert: Für SP und Grüne wird es zwar nach der Simulation Sitzverluste absetzen, diese werden aber zum Teil durch Sitzgewinne für die AL in Zürich und die Westschweizer Linksaussenparteien (POP, SolidaritéS) wettgemacht (vgl. auch NZZ-Bericht “Die radikale Linke wittert Morgenluft”, 21.9.2015). Gut möglich ist, dass die Linke unter dem Strich nur zwei oder drei Nationalratssitze an die Rechte verliert.

Dagegen könnte die “neue Mitte” aus CVP, GLP und BDP arg dezimiert werden. Sechs Sitzverluste sagt die Simulation ihnen voraus – genau so viele, wie die Rechte hinzugewinnen könnte.

FDP statt Mitte

Wenn die “neue Mitte” die Zeche bezahlt, ist der Rechtsrutsch ein halber. Mitte-Parlamentarier würden durch klar bürgerlich positionierte Politiker ersetzt, was bei knappen Geschäften – und der Bundesratswahl – neue Mehrheitsverhältnisse schaffen könnte. Die Ausrichtung des Parlaments würde aber keine grundsätzlich andere. Da die FDP vor allem in der Ostschweiz sehr vorteilhafte Listenverbindungen eingegangen ist, werden diese bürgerlich positionierten Politiker eher Freisinnige als SVPler sein. Auch deshalb wird sich ein “rechterer” Nationalrat nicht plötzlich am SVP-Programm orientieren. 

Der erwartete Rechtsrutsch dürfte nach dieser Betrachtung ein gradueller werden. Vor allem kündigt sich aber eine Konsolidierung in der Mitte an. Die Zersplitterung, die bei den Wahlen 2011 stattgefunden und die zu wechselnden Mehrheiten geführt hat, dürfte zum Teil wieder rückgängig gemacht werden.


Hier geht’s zur finalen Sitzprognose allein aufgrund des restmandat.ch-Modells:


Kombinierte Umfrage- und Börsenwerte

Für die Berechnung ist ein Durchschnitt des Wähleranteils aus den Umfragen und der Wahlbörse (Stand 19.9.) angenommen worden, wobei bei den Umfragen die jüngere Umfrage (20Minuten) doppelt gewichtet wird. Dies lässt sich auch anders berechnen, beispielsweise so wie es der Meinungsforscher Claude Longchamp tut.

Die für diese Simulation angenommenen Wähleranteile sind die folgenden:

  • SVP 28.2% (+1.6 gegenüber 2011)
  • SP 19.1 (+0.4)
  • FDP 16.9 (+1.8)
  • CVP 11.4 (-0.9)
  • GPS 7.4 (-1)
  • GLP 5.2 (-0.2)
  • BDP 4.8 (-0.6)

[Link, für Techniker]: Wie sich die Simulation mit Umfragewerten von der “normalen” Simulation unterscheidet