Der Rechtsrutsch im Nationalrat – visualisiert

Die Schweiz hat gewählt: SVP und FDP sind Wahlsieger; die Linke hat deutlich verloren. Was das für die Bundesratswahlen und die Arbeit des Parlaments bedeuten wird, werden wir bald sehen. Zeigen lässt sich aber schon mal, welche Partei an welche andere Partei Sitze verloren hat. Eine vereinfachte Visualisierung des Rechtsrutschs.

Der Rechtsrutsch, visualisiert (Ein Bild sagt mehr als tausend Worte)

 

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Was die Animation zeigt

Jedes Nationalratsmitglied der 49. Legislatur (2011-2015) wird entsprechend seines Abstimmungsverhaltens im zweidimensionalen Raum abgebildet (als Punkt). Um die Sitzwechsel im neuen Parlament darzustellen, verschieben sich die Punkte jener Parlamentarier, die ersetzt wurden (Rücktritt/Abwahl), in Richtung der Partei, die den Sitz erobert hat.

In der Animation sieht man, was bei den Nationalratswahlen passiert ist:

  • Die SVP zieht wie ein Magnet von praktisch allen anderen Parteien Mandate an sich; abgeben muss sie keinen einzigen Sitz. Stufe 1 des Rechtsrutsches.
  • Auch die FDP verliert Sitze an die SVP, erringt aber ihrerseits Sitze von den Grünliberalen und der Linken. Stufe 2 des Rechtsrutsches.
  • CVP und BDP geben Sitze ab, jedoch relativ wenige.
  • Vom Mitte-Rechts-Lager geht ein einziger Sitz ins linke Lager über (CVP-Sitz in Basel-Stadt an Grüne).

Die neuen Parlamentarier werden für das Schaubild zufällig im Zentrum ihrer Partei angesiedelt (Zentrum = arithmetisches Mittel der Positionen der Parlamentarier in der 49. Legislatur). Interessant zu sehen sein wird aber, wie diese sich tatsächlich positionieren werden: Sind die neuen SVPler mehrheitlich am rechten oder am moderateren Rand der Partei anzusiedeln? Wo stehen die neuen FDPler? Verschiebt sich die CVP nach rechts oder nach links? Die Smartvote-Daten könnten darauf einen Hinweis liefern – und ich bin sicher, dass wir schon bald eine solche Analyse sehen werden.

Methodische Bemerkungen

Die Links-Rechts-Positionierung wurde mit dem Programm WNominate von Poole/Rosenthal et al berechnet. Datenbasis waren sämtliche Abstimmungen der 49. Legislatur. Die zwei Dimensionen haben nicht die gleich grosse Erklärungskraft; die erste ist deutlich wichtiger als die zweite. Ich habe deshalb darauf verzichtet, die Achsen mit “Einstellungen” zu kennzeichnen, üblicherweise wären diese: links – recht (horizontal) und konservativ – liberal/progressiv (vertikal), wobei in diesem Fall ein Fragezeichen hinter diese Interpretation gestellt werden muss (GPS und SVP ähnlich konservativ?).

Die Interpretation, welcher Sitz an welche Partei ging, ist nicht immer ganz eindeutig. Die Zuteilung wurde hier nach bestem Wissen und Gewissen vorgenommen, aber ohne präzise Definition. In Zweifelsfällen ging ein Mandat, das eine Partei verloren hat, an die politisch am nächsten stehende Partei, die eines gewonnen hat. Die Rohdaten lege ich als Google Sheet offen.

W-Nominate unterscheidet sich methodisch leicht vom Programm, mit dem Michael Hermann für die NZZ das jährliche Links-Rechts-Rating erstellt. Die Daten sind deshalb nicht vergleichbar. Es gibt auch viele weitere Möglichkeiten, politische Positionen im Raum darzustellen. Hier wurde die am leichtesten zugänglichste, aber nicht notwendigerweise geeignetste gewählt. Ein guter Beitrag zur räumlichen Darstellung von Politiker-Positionen findet sich bei smartvote.ch (von Daniel Schwarz).

[Eine erste Version der Grafik enthielt einen kleinen Fehler, die SP erhielt einen Sitz zu wenig, die SVP einen zu viel. Ist jetzt korrigiert: 19.10. – 2pm]


What’s next?

Aufmerksame Leser haben sicherlich bemerkt, dass die Prognose von restmandat.ch das Ausmass des Rechtsrutsches stark unterschätzt hat. Die Resultate der Kantonswahlen und die weiteren herangezogenen Daten erwiesen sich in diesem Jahr als schlechte Prognose-Faktoren. In den nächsten Tagen werde ich eine Bilanz erstellen und analysieren, wo und warum die Prognose daneben lag. Stay tuned.