Für Techniker: Wie sich die Simulation mit Umfragewerten von der “normalen” Simulation unterscheidet

Das Modell von restmandat.ch berechnet auf Basis der Kantonswahl-Resultate, der Zahl nicht mehr antretender Parlamentarier sowie den Listenverbindungen eine Sitzprognose für die Nationalratswahlen (Methodenbeschrieb hier; kantonale Prognosen hier; nationale Prognosen hier).

Weil es auf früheren Daten beruht, blendet es im Gegensatz zu Umfragen die Entwicklungen des Wahlkampfs aus. Wie sich die Diskussionen um Asylsuchende oder die abflachende Debatte zur Frankenstärke auswirkt, wird ausser acht gelassen.

Da zur Sitzprognose Wähleranteile in den Kantonen berechnet werden, kann man näherungsweise die nationalen Wähleranteile berechnen. Die Simulation mit Umfragewerten setzt bei diesen prognostizierten ungefähren Wähleranteilen an. Bei der “normalen” Simulation wird bei jedem Durchgang (total 100’000 Durchgänge) mit einer Zufallszahl der Wähleranteil jeder Partei variiert, wobei dieser Zufallswert in eine nationale und eine kantonale Komponente aufgeteilt wird. Die nationale Komponente wird nun gemäss der Umfragewerte künstlich verschoben, und zwar folgendermassen:

Partei Wähleranteil Prognose (in %) Umfrage/Börse
SVP 26.2 –> 28.2
SP 18.6 –> 19.1
FDP 15.6 –> 16.9
CVP 12.5 –> 11.4
GPS 7.2 –> 7.4
GLP 5.8 –> 5.2
BDP 4.5 –> 4.8

Für die SVP und die FDP wird die nationale Komponente vergrössert, für die GLP und die Grünen verkleinert. Die Simulation wird damit mit einem Bonus für erstere und einem Malus für letztere berechnet.

Dem Vorgehen liegen mehrere Annahmen zu Grunde, die jede für sich falsch sein kann aber auch alle zusammen daneben liegen können. Es kann daher nicht genug betont werden, dass es sich rein um ein experimentelles Gedankenspiel handelt. Die wichtigsten Annahmen sind: 1. Veränderungen im nationalen Wähleranteil einer Partei äussern sich ungefähr gleichmässig in den einzelnen Kantonen, in denen die Partei antritt. 2. Die kantonalen Tendenzen aus dem Modell (Partei A wird sich in Kanton X verbessern, nicht aber in Kanton Y) treten auch tatsächlich ein. 3. Der nationale Wähleranteil aus dem Modell wird korrekt geschätzt. 4. Die Umfragen drücken die Wahlabsicht der Wahlberechtigten ziemlich genau aus.

Zudem: Da das Prognosemodell nicht perfekt ist, werden auch sämtliche Ungenauigkeiten im Modell auf die angepasste Simulation übertragen. Das betrifft vor allem Kleinparteien (v.a. EDU, EVP), deren Wahlerfolg im Modell vermutlich überschätzt wird.